Hochmut: Gefahr für das Beten

Turmbau zu Babel<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ckk-bs.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>49</div><div class='bid' style='display:none;'>520</div><div class='usr' style='display:none;'>3</div>

Der gigantische Bau will den Himmel erobern. So lässt der niederländische Maler Pieter Bruegel (1525/1530 – 1569) lässt den Turm, von dem die Bibel berichtet (Gen 11,1–9), erschreckende Ausmasse annehmen.
Michel Bangert,





Für die Mütter und Väter der christlichen Frömmigkeit war der Turmbau zu Babel aber nie nur ein Symbol für die Überheblichkeit von Staaten und Herrschern.
Die Versuchung des Hochmuts gefährdet in ihrer Sicht das spirituelle Leben jedes Christenmenschen.
Die trotzig-hochmütige Abwehr jeder Einsicht in die eigene Bedürftigkeit kennzeichnet diese zersetzende Haltung.
Dann heisst es: Ich brauche nichts und niemand. Keine Freundschaft und keine Zuneigung.
Zudem braucht der Hochmut keine Vergebung. Der Hochmütig macht eben alles richtig.
Er weiss alles. Vor allem weiss er alles besser. Und niemand bleibt von seinen Weisheiten verschont. Er hat das Recht, sich in alles einzumischen!

Eigenbrötlerisch dreht sich alles um seine eigene Sicht der Dinge! Folgerichtig lautet das Motto der Hochmut: „Mein Nabel ist das Zentrum der Welt.“ So baut der Mensch, der dem Weg der Hochmut folgt, beständig am Turm der eigenen Grandiosität. Die Begegnung mit den anderen muss stets zur Bestätigung der eigenen Überlegenheit dienen. Da bleibt kein Raum für das Geheimnis der Welt. Kein Raum für Gott. Kein Platz für Freundschaft.
Das Wissen um die eigene Bedürftigkeit erlischt. Und damit die Fähigkeit zum Gebet.
Das Beten wird fade und verkrampft, weil es sich ja an die unfasslich große Liebe Gottes richtet. Das aber erträgt der Hochmütige nicht.

Der grosse Musiker, Dichter und Papst Gregor (gest. 604) sieht in dem Hochmut auch eine Gefährdung der Kirche Jesu Christi. Gibt es Hilfe? Gregor meint ja und nennt die Hingabe, die Verzeihung und die Liebe. Jeder Christ solle sich mit Gerechtigkeit selbst wahrnehmen. Das meint für Gregor eine achtsame, gütige und sanfte Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse, Mängel und Sehnsüchte. Das ist für ihn die Medizin gegen die bedrohliche Infektion durch den Hochmut.
Diese demütige Betrachtung seiner selbst heilt Dünkel und Überheblichkeit.
Dann muss der Bau des eigenen Selbst kein bedrohlicher Turm sein.
Dann bin ich auch in der fragilen Hütte meines Lebens glücklich.
Dann kann ich beten.
Aus ganzem Herzen.
Autor: Hanspeter Rast     Bereitgestellt: 02.07.2017    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch