Christkatholische Kirche führt Ehe für alle ein

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An der Nationalsynode in Olten hat die Christkatholische Kirche Schweiz die sofortige Einführung der Ehe für alle beschlossen. Ab dem 1. Juli können gleichgeschlechtliche Paare nach dem gleichen Ritus heiraten und werden ins Eheregister eingetragen.







Christkatholische Nationalsynode führt Ehesakrament für alle ein

«In der Christkatholischen Kirche der Schweiz wird die Ehe zivilrechtlich verheirateter Paare unabhängig vom Geschlecht nach dem gleichen Ritus eingesegnet und in gleicher Weise in die Eheregister eingetragen.» Diesem Antrag hat die Nationalsynode an ihrer 155. Session am 11. Juni in Olten zugestimmt. Die Regelung tritt gleichzeitig mit der zivilrechtlichen Öffnung der Ehe für alle in der Schweiz am 1. Juli 2022 in Kraft. Gleichzeitig genehmigte die Synode den überarbeiteten Eheritus. Zuvor hatte die Synode im Verfahren zur «Stellungnahme in Glaubensfragen» der Aussage zugestimmt, jede Segnung einer zivilrechtlich geschlossenen Ehe zwischen zwei Erwachsenen gleich welchen Geschlechts sei in gleicher Weise sakramental.

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist in der christkatholischen Kirche seit 2007 möglich, doch unterscheidet sich die bisherige Segnungsliturgie grundlegend vom Eheritus. Dies wurde in den letzten Jahren zunehmend als unbefriedigend empfunden. Der jetzige Beschluss schliesst einen intensiven Diskussionsprozess ab, der auf Initiative der christkatholischen Jugend 2018 begonnen wurde. Neben Geistlichen und Laien in der Schweizer Kirche hat auch die Internationale Bischofskonferenz Stellung genommen und die Schweizer Lösung gebilligt.
Nebst den statutarischen Geschäften hat sich die Nationalsynode mit einigen Zukunftsthemen beschäftigt. So wurde unter anderem ein ausführlicher Bericht zur Mittel- und Langfristplanung «Bistum 2030» vorgelegt, welcher die bestehenden kirchlichen Strukturen vertieft betrachtet. Die Synode beauftragte Bischof und Synodalrat, daraus Massnahmen und Zeitplan für die Umsetzung abzuleiten und diese der Synode erneut vorzulegen.

Die Christkatholische Kirche der Schweiz hat vor 150 Jahren in einem mehrjährigen Prozess ihre kirchliche Eigenständigkeit erlangt. Aus diesem Anlass zieht 2021 bis 2026 eine Wanderausstellung unter dem Titel «unterwegs» durch die Schweiz. Nachdem sie im Herbst 2021 in Luzern Vernissage hatte, ist sie nach Stationen in Biel, La Chaux-de-Fonds und Genf pünktlich zur Synodesession in Olten eingetroffen. In Olten hatte 1872 der «Oltner Tag» stattgefunden, eine gesamtschweizerische Versammlung liberaler Katholiken, die entscheidende Weichenstellungen für die Bildung der Christkatholischen Kirche der Schweiz vornahm. Mit der Einführung der Ehe für alle versteht sich die christkatholische Kirche in Kontinuität mit ihren Anfängen, wo ebenfalls Reformen durchgeführt wurden. So hatte bereits die zweite Session der Nationalsynode 1876 die Landessprache im Gottesdienst eingeführt und die Zölibatsverpflichtung für Priester abgeschafft.
Publiziert von Franz Osswald am 15.06.2022   Besuche: 39 Monat