Wir wünschen schöne Ferien!

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Jahreszeiten

Mit einem Gedicht von Paul Gerhard (1607 - 1676) wünschen wir allen schöne Sommertage!
Hanspeter Rast,



Geh aus, mein Herz, und suche Freud

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
In dieser lieben Sommerzeit
An deines Gottes Gaben:
Schau an der schönen Garten-Zier
Und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voller Laub,
Das Erdreich decket seinen Staub
Mit einem grünen Kleide:
Narcissus und die Tulipan,
Die ziehen sich viel schöner an
Als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
Das Täublein fleucht aus seiner Kluft
Und macht sich in die Wälder:
Die hochbegabte Nachtigall
Ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.


Die Glucke führt ihr Völklein aus,
Der Storch baut und bewohnt sein Haus,
Das Schwälblein speist ihr Jungen:
Der schnelle Hirsch, das leichte Reh
Ist froh und komm aus seiner Höh
Ins tiefe Gras gesprungen.

Die Bächlein rauschen in dem Sand
Und malen sich und ihren Rand
Mit schattenreichen Myrthen:
Die Wiesen liegen hart dabei
Und klingen ganz von Lust-Geschrei
Der Schaf und ihrer Hirten.

Die unverdrossne Bienenschar
Zeucht hin und her, sucht hier und dar
Ihr edle Honigspeise:
Des süssen Weinstocks starker Saft
Kriegt täglich neue Stärk und Kraft
In seinem schwachen Reise.

Der Weizen wächset mit Gewalt,
Darüber jauchzet jung und alt
Und rühmt die grosse Güte
Des der so überflüssig labt’
Und mit so manchem Gut begabt
Das menschliche Gemüte.

Ich selbsten kann und mag nicht ruhn
Des grossen Gottes grosses Tun
Erweckt mir alle Sinnen:
Ich singe mit, wenn alles singt
Und lasse, was dem Höchsten klingt
Aus meinem Herze rinnen.

Ach denk ich, bist du hier so schön
Und lässt du’s uns so lieblich gehen
Auf dieser armen Erden:
Was will doch wohl nach dieser Welt
Dort in dem reichen Himmelszelt
Und güldnem Schlosse werden?

Welch hohe Lust, welch heller Schein
Wird wohl in Christi Garten sein?
Wie muss es da wohl klingen,
Da so viel tausend Seraphim
Mit eingestimmtem Mund und Stimm
Ihr Alleluja singen.

O wär ich da! O stünd ich schon
Ach süsser Gott, vor deinem Thron
Und trüge meine Palmen;
So wollt ich nach der Engel Weis
Erhöhen deines Namens Preis
Mit tausend schönen Psalmen.

Doch will ich gleichwohl, weil ich noch
Hier trage dieses Leibes-Joch
Auch nicht gar stille schweigen:
Mein Herze soll sich fort und fort
An diesem und an allem Ort
Zu deinem Lobe neigen.

Hilf nur und segne meinen Geist
Mit Segen, der vom Himmel fleusst
Dass ich dir stetig blühe:
Gib, dass der Sommer deiner Gnad
In meiner Seelen früh und spat
Viel Glaubensfrücht erziehe.

Mach in mir deinem Geiste Raum,
Dass ich dir wird ein guter Baum
Und lass mich wohl bekleiben:
Verleihe, dass zu deinem Ruhm
Ich deines Gartens schöne Blum
Und Pflanze möge bleiben.

Erwähle mich zum Paradeis
Und lass mich bis zur letzten Reis
An Leib und Seele grünen:
So will ich dir und deiner Ehr
Allein, und sonsten keinem mehr,
Hier und dort ewig dienen.
Autor: Hanspeter Rast     Bereitgestellt: 01.07.2018    
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch