Gemeindereise 2016

Gemeindereise vom 3. bis 9. April 2016

Leitmotiv Das Burgund und seine grosse Kultur
1. Tag : Sonntag, 3. April Basel - Baume les Dames – Beaune

Nach einem Gottesdienst mit einer eindrücklichen Predigt von Diakonin Karin Schaub zum Osterereignis, trifft sich die ganze Gemeinde zu Apéro.
Der Car stand bereits um 9.30 Uhr parat, damit das Gepäck in Ruhe verstaut werden kann.
Unser Chauffeur, Emil Spinnler, erweist sich abermals als ruhiger und umsichtiger Begleiter. Der Car von „Robert Saner Car-Reisen“ ist ausserordentlich angenehm, - nicht zuletzt, weil die Sitzreihen eine grosse Beinfreiheit bieten.

Barbara Funk und Alois Schmelzer haben einen „apéro riche“ mit Würstchen und „Chäs-Chiechli“ vorbereitet. Alle können sich aufs Feinste stärken.
Dann heißt es um Punkt 12 Uhr „Ade Basel!“ Die kleine Glocke der Predigerkirche verabschiedet uns. Wir verlassen Basel unbehelligt von „Douane“ oder anderer Administration am französischen Autobahnzoll. Erste Zwischenziel ist das kleine Städtchen Baume-les-Dames. Es ist eine iro-schottische Gründung und entwickelte sich zum einem wichtigen Frauenkloster. So soll auch die hl. Odilia hier erzogen worden sein. Der hl. Erhard hat die zwölfjährige Odilia hier – so die Legende – getauft. Mit der Taufe durch den Bischof von Regensburg soll die bis anhin blinde Odilia das Augenlicht zurück erhalten haben. Sicher eine bildliche Ausdrucksweise, um von der Erkenntniskraft und der Einsichtsfähigkeit durch die Liebe sprechen zu können.
Baume-les-Dames wurde im Zuge der Französischen Revolutionswirren – ebenso wie das namensähnliche Kloster Baume-les-Messieurs – zerstört. So besichtigen wir vor allem die neugotischen Kirche St. Martin. Heute ist es ein verschlafenes Örtchen, mit wenigen Resten der Klosteranlage. Überzogen mit der charmanten Patina des Verfalls ...

Da kein Café für uns parat ist, nehmen wir den Weg bis zu nächsten großen Raststätte auf der Autobahn unter die Reifen und stärken uns dort.
Unterwegs hören wir erste Einführungen zur Bedeutung des Herzogtums Burgund bis in die führe Neuzeit, über Bernhard von Clairvaux und die Zisterziensier, sowie über die Besonderheiten der iro-schottischen Mission, die das Christentum auf ganz eigene Wiese nach Kontinentaleuropa und auch in die Schweiz (Beatus, Gallus, Fromont etc.) gebracht haben.
Weil die Reise so reibungslos verläuft sind wir sehr rechtzeitig am Ziel. Eine kleine Rundfahrt um den Stadtkern von Beaune verschafft uns einen ersten Überblick!
Exakt um 17.30 Uhr kommen wir im Mercure Hotel in Beaune, unserem Standorthotel für die nächsten 6 Nächte, an. Diakonin und Pfarrer offerieren einen feinen Apéro mit burgundischem Weisswein, Kir, Kir Royal und Mineralwasser. Das gute Abendessen stärkt alle mit Gemüse, Maispoularde und „Tarte Tatin“!
2. Tag : Montag, 4. April Beaune – Vèzelay – Autun

Eine Car-Fahrt durch das Burgund! Wunderbar!
Nach dem Frühstück brechen wir auf, um einen der Höhepunkte der abendländischen Kultur auf uns wirken zu lassen: Die Basilika von Vézelay.
Vorbei an Chateauneuf und Avallon kommen wir im Dorf Vézelay an. Leider ist kein Taxi zur Hand, das diejenigen, die schwer gehen, zur Basilika bringen will. Doch alle erreichen das geistliche Ziel.
Die Legende berichtet, daß die Heilige Maria von Magdala – gemeinsam mit ihrem Bruder Lazarus, ihrer Schwester Martha von Bethanien, der Maria Kleophas (einer der Frauen, die zum Grab Jesu gehen) – zwangsweise auf ein Schiff gesetzt wurden, um sie dem Tod preiszugeben. Die Freunde Jesu aber werden gerettet und kommen nach einer langen Reise über das Mittelmeer in Gallien an.
Maria von Magdala verkündet zunächst das Evangelium und zieht sich an als Einsiedlerin in die Einöde zurück. Ein Legendenstrang berichtet, daß sie in Vézélay strab und begraben wurde. So wurde hier Ihr Grab verehrt und lockt grosse Mengen an Pilgern an. Vézelay wurde einer der bedeutendsten Pilgerorte der Christenheit. So baute man hier eine der schönsten Kirchen des Mittelalters.
In besonderer Weise widmen wir unsere Aufmerksamkeit dem Tympanon über dem Hauptportal in der Vorhalle. Christus schenkt denen, die ihm nachfolgen und sich in Galiläa versammlen, seinen Geist. In Ausführung und Inhalt ein exzeptionelles Kunstwerk!
Der Innenraum führt zum pfingstlichen Licht und zwar in Fülle!

Nach einer Mittagspause mit echt burgundischem Essen geht die Reise weiter nach Autun, wo uns ein weiterer Höhepunkt der romanischen Bau- und Bildhauerkunst erwartet. Im Museum Rolin in der Kathedrale bewundern wir die Auferstehung Marias, das Tympanon (Giebelfeld) und die einzigartigen Kapitelle!

Ein eindrucksvoller Tag endet bei einem gemütlichen Essen im Hotel!
3. Tag : Dienstag, 5. April Beaune

Nach dem Frühstück beginnt der Tag mit einem kurzen Spaziergang zum Hôtel-Dieu, einer Stiftung des burgundischen Kanzlers Nicolas Rolin. Es ist ein Spital, in den Kranke und Sieche gepflegt wurden. Der Aufenthalt war kostenlos, da die Stiftung für das Seelenheil des Kanzlers und seiner Frau gedacht war.
Die Anlage ist heute sehr eindrücklich restauriert. Sie gibt einen guten Einblick in dies Formen der Krankenpflege des ausgehenden Mittelalters. Die pittoreske Anlage zieht Besucher in grosser Zahl an.
Das wunderbare Triptychon des flämischen Meisters Rogier van der Weyden, das Rolin dezidier für seine Stiftung gewollt hat, wurde in der Kapelle des Hôtel-Dieu aufgestellt, um die BetrachterInnen für diee Begrenztheit des eigenen Lebens sensibel zu machen.
Es schließt sich nach einer Pause ein Besuch in der Kollegiatskirche Notre Dame, die als eine Art „Cluny im Taschenformat“ anzusehen ist. Sie birgt in ihrem Inneren eine Mariendarstellung vom Typos „sedes sapientiae“ . Zudem finden wir dort eine Kopie des „Jesus-Kindes von Beaune“, das durch die Frömmigkeit der Margaretha von Beaune eine weltweite Bedeutung gewonnen hat.
Der Besuch in den extrem weitläufigen Kellern des Weingutes „Patriarche“ und eine kleiner Degustation des burgundischen Weins verschaffen uns einen kleiner Einblick in die Welt des Burgunderweines!
Ein famoses Abendessen im Restaurant „Cheval Blanc“ rundet des Tag sehr schön ab.
4. Tag : Mittwoch, 6. April Beaune – Paray-le-Monial – Chapaize - Tournus

Diesmal heisst es schon um 8.30 Uhr: „Leinen los!“, denn es liegt eine recht Wegstrecke vor uns.
Entlang des „Cnala du Centre“ mit seinen zahlreichen Schleusen fahren wir in die Stadt der „Fayence Charolaisse“.
Die spätromanische Basilika und ehemalige Prioratskirche Sacré-Cœur (Heiliges Herz) verfügt über einen Narthex mit einer zweitürmigen Fassade. Die Klosterkirche spiegelt sich in den Wassern des westlich an ihr vorbeifließenden Flusses Bourbince.
Sacré-Chœur wird von Kunsthistorikern als die bekannteste Cluny III - Nachfolgerin und als eine der bedeutendsten Kirchen Burgunds eingestuft. Die heutige Kirche ersetzte zwei Vorgängerinnen: eine frühromanische Kirche, an die einige Jahre später die ebenfalls erhaltene Vorhalle mit dem zweitürmigen Westwerk angefügt wurde. Vor ihrer Umwidmung in Sacré-Cœur im Jahr 1873 stand die Kirche und ihre Vorgängerinnen unter dem Patronat der Gottesmutter. Seit dem späten 19. Jahrhundert ist Paray-le-Monial mit seiner Kirche einer der meistbesuchten Pilgerorte Frankreichs.
Der „glatte“ Anstrich und die kunsthandwerkliche Ausstattung der Kirche sind seltsam irritierend,

Die Fahrt durch die sonnendurchflutete Landschaft mit ihren Hecken, kleiner Weilern, Wäldchen und Viehherden ist einfach entzückend und bezaubernd. Die ostergrünen Wiesen bilden einen geradezu lieblichen Farbgegensatz zu den weißen Kühen und Schafen. Diese Landschaft hält einen wahren Schatz parat: Die Kirche von Chapaize, die mit den umliegenden Beizen und Bauernhöfen ein schönes Ensemble bildet. Die Ruhe und die Kraft des Ortes berühren alle.

Die Abteikirche Saint-Philibert in Tournus gehört zu den bedeutendsten frühromanischen Sakralbauten Frankreichs. Sie wurde ab 1000 gebaut und 1019 ge- weiht. Schutzpatron der Kirche ist der heilige Philibert, dessen Reliquien in der Zeit der Überfälle der Normannen hierher aus der Abtei Noirmoutier, wo er gestorben war, in Sicherheit gebracht wurden. Vorher machten sie eine Zwischenstation in Notre Dame de Cunault an der Loire, wo an einer Bündelsäule des Mittelschiffs auf einem Ka- pitell in halber Höhe Szenen aus dem Leben des Heiligen Philibert dargestellt sind.
Die heutige Stadt Tournus ging – wie viele andere Städte auch – aus einer Ansiedlung hervor, die sich rund um die Benediktinerabtei Tournus gebildet hatte. Der kleine Ort vermittelt auch heute noch eine mittelalterliche Atmo- sphäre. Die in direkter Nähe zur Saône liegende Kirche ist von großer kunsthistorischer Bedeutung und in mehre- rer Hinsicht die Vorreiterin entscheidender architektoni- scher Entwicklungen. Die Basilika besteht aus drei Schiffen von je fünf Jochen, hat ein Querschiff, einen Umgang- schor mit Kapellenkranz und im Westbau eine ebenfalls dreischiffige Vorhalle und darüber eine Oberkirche.

Das Abendessen im Restaurant „caveau des arches“ bietet guten Wein und burgundische Spezialitäten wie „escargot“, „boeuf bourguignon“, „oeufs meurette“ und eine Süßspeise von Johannisbeeren und Honigkuchen mit Marc de Bourgogne!!
5. Tag : Donnerstag, 7. April Beaune – Abtei Pontigny – Chablis – Abtei Fontenay

Auch heute brechen wir um 8.30 Uhr auf! Die Abtei von Pontigny liegt doch ein rechtes Stück entfernt. Vom grossen Zisterzienser-Kloster in Pontigny ist vor allem die grossartige Kirche sehenswert.
Pontigny war eine der vier Primarabteien, die von Cîteaux aus gegründet wurden. Das turmlose gotische Mönchskloster steht auf ehemals unwegsamem Sumpfgebiet. 1114 erfolgte der Start mit 12 Mönchen unter Abt Hugo von Macon. Pontigny wurde Mutterkloster für europaweit insgesamt 43 Tochterabteien.

Die Kirche ist mit 108 Metern Länge und 52 Metern Breite im Querschiff die größte erhaltene Zisterzienserabteikirche. Auffallend ist, dass der Chor der Kirche mit einem Strebewerk versehen ist, das eigentlich erst in der Gotik verwendet werden wird. Dieser Chor ist tatsächlich von 1185 bis 1212 erweitert worden und dabei hat man zeitgenössische gotische Mittel eingesetzt.
Pontigny wird man vor allem deshalb nicht vergessen, weil die Kirche innen vollkommen weiß gestrichen ist, weiß wie die Gewänder der Zisterzienser, und außer einer hölzernen Chorschranke und dem Chorgestühl fast nichts an Schmuck enthält. Das Mittelschiff hat ein Kreuzrippengewölbe, die Seitenschiffe Kreuzgratgewölbe. Man muss dem Baumeister, der die spätere Chorerweiterung durchgeführt hat, die innen so deutlich gotisch aussieht, zugestehen, dass er es geschafft hat, den äußeren Gesamteindruck der Kirche dadurch nicht zu stören, obwohl er einen Umgang und einen Kapellenkranz dazugesetzt hat.
Im Lauf der Geschichte war die Kirche des Öfteren Zufluchtsort, unter anderem vom 30. November 1164 bis November 1166 für Thomas Becket, den Erzbischof von Canterbury. Er war auf der Flucht aus England aufgrund eines Konfliktes mit König Heinrich II.

Die Mönche hatte neben den religiösen Aufgaben auch eine wesentliche Funktion im agrarischen Bereich. Die Mönche von Pontigny legten einen der ersten Weinberge der Region an, der den Grundstein für den berühmten Wein von Chablis bildete. Sie führten im Gebiet auch den Chardonnay ein, die bis heute bedeutendste weiße Rebsorte von Chablis, und verankerten den Weinbau als zentralen Bestandteil der Landwirtschaft.
Deshalb können wir gar nicht anders, als das Weindorf Chablis zu besuchen und dort diverse Spezialitäten zu probieren.

Nach einer guten Pause ist das nächste Ziel die relativ gut erhaltene Zisterzienser-Abtei von Fontenay. Fontenay wurde im Jahr 1118 vom Heiligen Bernhard von Clairvaux als Tochterkloster (Filiation) der Primarabtei Clairvaux im Tal von Marmagne gegründet. Der Bau ist ein Manifest der strengen zisterziensischen Romanik und entspricht weitestgehend dem Originalzustand. Fontenay entwickelte sich schnell zu einem führenden geistlichen Zentrum der Region: die Mönche fertigten wertvolle Handschriften und erzielten Erfolge in der Medizin und Heilkunde des Hochmittelalters. Im 13. Jahrhundert wohnten Hunderte Mönche in Fontenay.

Mit der Französischen Revolution 1789 endete das Klosterleben: 1791 verließen die letzten neun Mönche Fontenay. Nach dem Verkauf wurde eine Papierfabrik in den Gebäuden der Abtei eingerichtet, die Basilika war zusehends von Verfall bedroht.

1906 kauften die wohlhabenden Gebrüder Edouard und René Aynard die gesamte Abtei und begannen mit der aufwändigen Restaurierung, die bis heute andauert. Nur den Bemühungen der Aynards ist es zu verdanken, dass Fontenay in seinem wiederhergestellten Zustand im Jahr 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die Abteikirche wurde von 1139 bis 1147 errichtet. Seit ihrer Weihe durch Papst Eugen III. 1147 hat die Basilika nur geringfügige Veränderungen erfahren.
Dem Ordensideal folgend sind die Zisterzienser-Kirchen – und das sieht man hier an der Fassade von Fontenay – einfach, streng und klar. Die Regeln des Ordens verboten Türme, nur Dachreiter und die kleine, schon um vier Uhr morgens zum Gebet rufende Glocke (matine) waren erlaubt. Figürlicher Kapitellschmuck, skulptierte Portale und Ornamentik waren ebenso untersagt wie buntfarbige Fensterverglasung. Darin stehen die Zisterzienser in schärfstem Gegensatz zur gleichzeitigen romanischen Baukunst, vor allem zu Cluny, und das machte sie später zu Mitverbreitern des gotischen Stils in seiner asketischen Version. Dieses Schema lockerte sich später auf und es wird sich etwas wiederholen, was in Cluny, dem Ausgangsort der Bewegung, ebenfalls geschehen ist. Die anfängliche Askese konnte nicht durchgehalten werden.

Die achtjochige Kirche ist 66 Meter lang und 16,70 Meter hoch. Zur Atmosphäre dieser Kirche passt es sehr gut, dass keinerlei Sitzbänke und ähnliches den Innenraum zustellen und dass es eigentlich auch keinen Fußboden gibt außer festgetretenem Lehm. Der originale Eindruck des 12. Jhs. ist vollständig erhalten geblieben. Das Mittelschiff von Fontenay wird bis zum Chor von der burgundischen Spitztonne auf mächtigen Quergurten überwölbt.

Aber eine Fensterzone fehlt, die Beleuchtung erfolgt durch die Seitenschiffe und die dichten Fenstergruppen an der Eingangswand, an den Chorwänden und an den Querschiffenden. Das Innere blieb entweder steinsichtig oder wurde verputzt und mit weißen Fugen bemalt, der einzigen zulässigen Farbe – auch die Gewänder der Zisterzienser waren farblos. Sonst erhielt der turmlose Bau weder plastischen noch malerischen Schmuck.

Dafür war die Behandlung des Steins außerordentlich sorgfältig und sauber – und damit auch teuer. Teilweise konnte ohne Mörtel gemauert werden. Diese asketische Einfachheit fand außerordentlichen Zuspruch. In kürzester Zeit verbreiteten sich – zusammen mit dem Orden – die Bauformen der Zisterzienser über ganz Europa. Ihre ersten Bauten waren noch aus Holz errichtet. Erst in der zweiten Ordensgeneration unter Bernhard von Clairvaux entstanden Steingebäude.

Die erhaben schlichte, dreischiffige Basilika hütet die überlebensgroße Steinstatue der „Madonna von Fontenay“ aus dem 13. Jahrhundert. Im Chor, der sich hinter den hohen Säulen erstreckt und der einst über eine kleine Empore verfügte, von der aus gehbehinderte Kranke den Gottesdienst verfolgen konnten, ohne die Stufen vom angrenzenden Krankensaal hinabsteigen zu müssen, sind Grabplatten burgundischer Adliger aus dem 13. Jahrhundert, der Blütezeit der Abtei, erhalten. Ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert stammt der gotische Altar.

Neben dem Dormitorium, dem Kreuzgang und dem Kapitelsaal sind auch verschiedene Nebengebäude sehr gut erhalten wie z.B. die Schmiede mit durch Wasserkraft getriebenem Eisenhammer, die Bäckerei und das Abtshaus. Zudem liegt das Kloster noch heute so abseits, daß die Stille der Kontemplation immer noch nachklingen kann.

Ein kurzer Spaziergang am Abend und ein feines Abendessen im Resuarant „Auberge du Cheval Noir“ (Fischterrine mit Salat mit Dilldressing / Schweinefilet im eigenen Saft und Pfannengemüse / Vanillecreme) beschließen den schönes Tag!
6. Tag : Freitag, 8. April Heute wollen wir die wiedererstandene Abtei in Cîteaux besuchen. Leider fügt es sich nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten.
Also fahren wir durch die sonnendurchfluteten Weinberge nach Dijon. Hier sind einige der besten Lagen der Burgunderweine, die Weine hervorbringen, die zu den teuersten und gesuchtesten in Frankreich gehören.
Die Römer bauten das kleine Lager an der Via Agrippa aus und nannten es Divio, Diviodunum, Divionum oder Castrum divionense. Es gehörte zu der Provinz Gallia Belgica. Sie lag an der Römerstraße zwischen Lyon (lat. Lugdunum) und Trier (Augusta Treverorum). Wegen anhaltender Germaneneinfälle wurde die Stadt 273 von den Römern befestigt. Wahrscheinlich um diese Zeit erlitt der Missionar Benignus von Dijon, der lange Zeit in dieser Stadt gewirkt hatte, das Martyrium. Im Jahr 500 besiegten die Franken unter Chlodwig I. die Burgunden unter Gundobad in der Schlacht bei Dijon. Später kam Dijon unter die Herrschaft des Bistums Langres, von welchem es die Grafen von Dijon zu Lehen hatten und nach dem Tode des letzten derselben (1007) an die Herzöge von Burgund, die es zu ihrer Residenz erhoben. 1016 gelangte die Stadt durch Kauf in den Besitz des Königs Robert II. des Frommen, der sie in das Herzogtum Burgund eingliederte. In Dijon wurden drei Kirchenversammlungen (Concilia Divonensia), 1077, 1116 und 1199, abgehalten.
Am 28. Juni 1137 zerstörte eine Feuersbrunst die Stadt, welche unter Herzog Hugo II. erneut aufgebaut wurde. Herzog Hugo III. erhob Dijon 1187 zur Stadt und die Vorstadt Saint-Bénigne wurde mit einer Stadtmauer umfasst und eingegliedert. In dieser Zeit wurde auch das Krankenhaus der Charité gegründet.
Nachdem Philipp I. von Burgund 1361 gestorben war, übergab der König von Frankreich 1363 das Herzogtum Burgund mit Dijon als Hauptstadt an seinen Sohn, Philipp den Kühnen. Dieser erwarb 1377 einige Grundstücke vor den Toren der Stadt und gründete 1384 darauf die Chartreuse de Champmol, ein Kartäuserkloster und die künftige Grabstätte der Herzöge von Burgund.
Nach dem Tode Karls des Kühnen kam Dijon 1477 mit Burgund an Frankreich und König Ludwig XI. errichtete hier das Parlament für Burgund. Die Stadt kapitulierte 1513 im Dijonerzug gegenüber der Schweiz.
Am 18. Juli 1766 gastierte anlässlich eines Gouverneurbesuches Wolfgang Amadeus Mozart – er war damals 10 – mit seinem Vater und seiner Schwester in der Stadt. Gemeinsam gaben sie ein Konzert.
Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt erneut und es wurde notwendig die alten Befestigungsanlagen abzureißen. 1833 wurde der Canal de Bourgogne fertiggestellt, 1844 die erste Eisenbahnverbindung nach Dijon. 1899 wurde die Stadt in die Ehrenlegion (Légion d’honneur) aufgenommen, was eine Änderung des Stadtwappens zur Folge hatte.
1940 wurde die Stadt von der deutschen Wehrmacht bombardiert und besetzt. Drei der Flugzeuge, die Dijon bombardieren sollten, verflogen sich und bombardierten irrtümlich Freiburg im Breisgau. Am 11. September 1944 wurde die Stadt wieder befreit.
1964 wurde etwas außerhalb, westlich der Stadt, der Stausee Lac Chanoine Kir angelegt, der nach dem damaligen Bürgermeister benannt ist und heute ein wichtiges Naherholungsgebiet darstellt. 1981 erfolgte der Anschluss an das TGV-Netz der französischen Eisenbahn.


In Dijon ist unser erstes Ziel die Besuch der Cathédrale St. Bénigne und im Musée des Beaux Arts.

Die römisch-katholische Kathedrale von Dijon ist ein burgundischer Kirchenbau der Gotik. Der Bau dient seit 1805 als Kathedrale, er entstand als Abteikirche des Klosters Saint-Bénigne. Im Mittelalter gehörte Dijon zur Diözese Langres. Seit der Etablierung des Bistums Dijon 1731 diente die Kirche Saint-Etienne, welche heute profaniert ist und ein Kunstmuseum birgt, als Kathedrale. Danach übernahm die gotische ehemalige Abteikirche Saint-Bénigne die Aufgabe als Kathedrale von Dijon und damit den Bischofssitz der Stadt. Sie liegt westlich des Stadtkerns.
Der romanische Vorgängerbau der gotischen Kirche Saint-Bénigne, der heute bis auf einige Reste zerstört ist, zählte zu den größten und ungewöhnlichsten Kirchen des christlichen Abendlandes und barg das heute leere Grab ihres Kirchenpatrons des heiligen Benignus (frz. Saint-Bénigne).
Im Osten des Chors schloss sich eine weite dreischiffige und dreigeschossige Rotunde (auch Zentralbau, frz. Rotonde) an, die im Osten durch einen rechteckigen Kapellenanbau abgeschlossen wurde. Das unterirdische Geschoss der Rotunde, die Krypta, ist in beachtlichen Teilen heute noch erhalten. Die Krypta erstreckte sich ursprünglich noch weit unter die Basilika, im Bereich des Mittelschiffs etwa bis zum vierten Joch. Die Rotunde wurde bis zu ihrem Abbruch etwa 760 Jahre alt, die erhaltenen Reste der Krypta sind es heute etwa 980 Jahre.
Dennoch kann man in den erhaltenen originalen Resten der Krypta, zusammen mit den Gewölberekonstruktionen, eine ungefähre Vorstellung von Größe und Würde des Vorgängerbauwerks gewinnen. Von den weitläufigen Klosteranlagen hat sich nur der Ostflügel des Kreuzgangs mit dem auf schweren Bruchsteinpfeilern gewölbten Kapitelsaal und dem eleganten rippengewölbten Dormitorium erhalten.



Der Gardensaal, der berühmteste Raum des Museums, beherbergt die Grabmäler der Herzöge des Burgund aus der Chartreuse de Champmol. Am Grabmal Philipps II. des Kühnen arbeiteten zwischen 1385 und 1410 nacheinander Jean de Marville, Claus Sluter und Claus de Werve. Besonders erwähnenswert sind die Arkaden des Sockels mit 41 trauernden Personen (pleurants). Das später entstandene Doppelgrabmal für Johann Ohnefurcht und seine Gattin Margarete ahmt das Grabmal Philipps II. nach. Im Nebenraum finden sich auch zwei Flügelaltäre, die für das Kartäuser-Kloster von Champmol in Auftrag gegeben worden waren.

Nicht unerwähnt bleiben darf Felix-Adrien Kir, genannt Kanonikus Kir (* 22. Januar 1876 in Alise-Sainte-Reine; † 26. April 1968 in Dijon). Er war ein französischer Kanoniker und Politiker. Er war eine selbstbewusste, urwüchsige Person – ein Original. Er war bekannt für seine unbezähmbare Entschlossenheit und sein Gespür für das politisch Machbare. Notfalls zögerte er nicht das képi zu nehmen, um den Verkehr um das Rathaus von Dijon zu regeln. Er war der letzte Priester der mit seiner Soutane in den Reihen der Nationalversammlung zu sehen war. Sein bevorzugter Apéritif war Weißwein mit einem Schuss Crème de Cassis, der heute zu seinen Ehren als Kir bezeichnet wird. Zunächst gestand er 1952 dem Haus »Lejay-Lagoute« die Exklusivität des Namens zu. Später, um die anderen Likörhändler von Dijon nicht zu benachteiligen, erlaubte er ihnen ebenfalls, seinen Namen zu benutzen. Die Variante »Double K« wurde 1960, im Zusammenhang eines Treffens mit Nikita Chruschtschow (französisch: Nikita »K«hrouchtchev), durch die Cafés in Dijon kreiert: Weißwein + Cassis + Wodka.
Autor: Hanspeter Rast     Bereitgestellt: 09.04.2016     Besuche: 25 Monat
 
aktualisiert mit kirchenweb.ch