Gemeindereise 2014

Gemeindereise „Der Zauber der späten Gotik!“


Reise von Basel nach Wesel am Sonntag, 14. September 2014


Gestärkt mit der gemeinsamen Feier der Eucharistie, dem Reisesegen und den guten Wünschen der Gemeinde beginnt am Sonntag die Reise vom Ober- an den Niederrhein. Unser Wohlergehen liegt nun zu einem guten Teil in den Händen des bewährten Chauffeurs Emil Spinnler von „Robert Saner Car-Reisen“. Die Stimmung ist bestens und auf der französischen Autobahn geht es munter voran.

Colmar zieht vorbei. Auch Straßburg liegt am Weg.
Vogesen und – in der Ferne - der Schwarzwald begleiten uns eine rechte Zeit. Die pfälzische Weinstraße liegt vor uns. Doch zu einer Probe des guten Rebensaftes steht noch kaum jemandem der Sinn. Beim ersten Halt an der Raststätte „Pfälzer Weinstraße“ wird doch eher Kaffee nachgefragt.

Ein nächster Halt ermöglicht uns einen wunderschönen Blick in das steile Moseltal, wo die besten Riesling-Weine prächtig gedeihen. Die besondere Landschaft der erloschenen Vulkane rund um Maria Laach zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Vor dem Ahrtal machen wir die Erfahrung des sonntäglichen Ausflugheimreiseverkehrs. Das hält uns ein wenig auf, doch es geht schließlich wieder munter voran.

Unser Hotel in Wesel liegt unmittelbar am Rhein. Im letzten Abendrot treffen wir ein wenig müde dort ein. Zunächst geht es zum Abendessen, bevor die Zimmer verteilt werden.
Alle sind gut untergebracht. Einige können den Rheinschiffen wie sich gegen die Strömung ankämpfen. Vielleicht ist ja das ein oder andere auf dem Weg nach Basel?
Hier werden wir nun für eine Woche zuhause sein.
Alle, die ein Fenster zum Rhein haben, geniessen noch einen Blick auf den silbernen Fluss, der sich durch die eindunkelnde Landschaft zieht.
Die meisten sinken bald in einen tiefen Schlaf und erwarten die kommenden Tage. Andere machen sich noch mit den „Geistern“ und „Körnchen“ des Niederrheins vertraut.


Unterwegs begleiten uns u.a. zwei Psalmen von Hanns-Dieter Hüsch:


PSALM I

ich bin vergnügt
erlöst
befreit
gott nahm in seine hände
meine zeit
mein fühlen, denken
hören, sagen
mein triumphieren
und verzagen
das elend
und die zärtlichkeit



PSALM II

solange in meinem herzen
und in meinem kopf
der gesang von liebe und zuversicht wohnt
das land der unbegrenzten möglichkeiten zu spüren ist
freundschaft und friede mit allen kreaturen?in meinen augen sitzen
solange wird es auch diese erde geben
mit all ihren menschen die guten willens sind
die über sich hinauswachsen
und es eines tages doch noch schaffen
den halsabschneidern und blutsaugern
kindermördern und frauenschändern
und ihren feigen handlangern im hintergrund
das handwerk zu legen
solange unsere herzen dafür schlagen
daß sich die utopie erfülle
auf daß die erde heimat wird für alle
welt?im kleinen wie im ganzen
solange wir leben und wachsen
solange gibt es sie auch
Montag, 15. September 2014

Der Morgen des ersten Tages empfängt uns mit mildem Septemberblicht. Die Frühaufsteher und Morgensportler finden in dem Naturschutzgebiet rund um den Aue-See beste Bewegungsmöglichkeiten. Auch untertags lädt dieses Naturschutzgebiet, das unmittelbar neben dem Hotel beginnt, zum Spazieren und Auslaufen ein.
Um 9.20 Uhr beginnt die erste Exkursion. Vorbei an der ehemaligen Eisenbahnbrücke, die seit dem 2. Weltkrieg in Trümmern liegt, geht es über die neue Weseler Rheinbrücke auf linke Rheinseite. Durch Weidenlandschaft, wo Kühe und Schwäne gemeinsam in Tümpeln baden, geht es vorbei an einem weitläufigen Altrheinarm in die alte Römerstadt Xanten. Die alte „Colonia Ulpia Trajana“ ist die einzige Römerstadt nördlich der Alpen, die nicht mittelalterlich überbaut wurde. Vielmehr gab das Gräberfeld ausserhalb der Colonia, wo die legendarischen Märtyrer Viktor und sein Gefährten beigesetzt wurden, noch in spätantiker Zeit den Kern für eine neue Siedlung, dem heutigen Xanten. Der Stadtname bestätigt dies: Xanten hat seine Wurzel in „ad sanctos“ (zu den Heiligen). Seid dem frühmittelalterlichen Kapellchen, das über den Märtyrer-Gräbern existierte, bis hin zum gewaltigen spätgotischen Dom gibt es eine kontinuierliche Baugeschichte.

Die grosse Tradition hat auch unglaubliche Schätze in die Kammer des Xantener Stiftes gebracht. Dieses Stift existiert seid ottonischer Zeit und hat mit dem Heiligen Norbert von Xanten – Gründer des Prämonstratenser Ordens und nachmaliger Erzbischof von Magdeburg – einen überaus bedeutenden Kirchenmann hervorgebracht. Die Kostbarkeiten des reich dotierten Stiftes sind heute im Stiftsmuseum versammelt. Die Führung durch diese kleine, wunderschön gestaltete „Schatzkästlein“ ist ein Erlebnis. Alte Paramente („Bernhards-Casel“), Tragaltäre, Figuren, Monstranzen und alte Drucke lassen den „Zauber der Gotik“ aufleuchten. Die kompetente Führung macht das Museum und den Dom zu einem fesselnden Erlebnis. Die „Wurzel Jesse“ von Heinrich Doubermann ist schon jetzt ein Höhepunkt unserer Reise: Aus Eichenholz hat dieser großartige Holzschnitzer die Abstammung Jesu in ein Rankwerk hineingearbeitet, wo Blätter, Wurzeln und Menschen fast ineinander übergehen.

Den Mittag verbringt die Gruppe rund um den Xantener Markt mit seinen zahlreichen Cafés, Restaurants, Bäckereien und Eisdielen. Sowohl Kartoffelsuppe, Frikadellen und Bockwurst, aber auch „Prumme-Taart“ mit viel Sahne stehen auf dem Speisezettel.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem ausgiebigen Rundgang durch den archäologischen Park mit seinen rekonstruierten Tempel, Herbergen und Werkstätten und dem viel genutzten Amphitheater!

Der Tag klingt wieder in schöner Atmosphäre bei einem guten Nachtessen aus.


Der tragische Nibelungenheld Siegfried, der vermutlich mancherlei gemeinsame Wurzeln mit dem christlichen Heiligen „Victor“ (Sieger) aufweist, kommt auch in den Blick, doch er spielt weder für uns, noch für das heutige Xanten eine besondere Rolle. Und Drachen, wie Siegfried sie bekämpfen muss, gibt es überall.
Dienstag, 16. September 2014

Wieder ein Tag mit dem milden Spätsommerlicht. Warm und angenehm. Mehr als eine Entschädigung für den regnerischen Sommer. Der September zeigt sich von seiner schönsten Seite!

Die Basler Niederrhein Exploration beginnt am Morgen mit der Fahrt nach Rheinberg. Über uralte Straßen, die sich kilometerlang schnurgrade durch die Landschaft ziehen geht es vorbei an alten Windmühlen und „Erd-Bibeli“ (niederheinisch: Berge) in die alte Festungsstadt Rheinberg. Das ehemalige Berka (merowingisch/keltisch: ber-ka = Ort am Wasser) lag ehedem direkt am Rhein. Der Fluß suchte sich irgendwann ein neues Bett und die deutende mittelalterliche Zollanlage des Erzbistums Köln versankt in die Bedeutungslosigkeit.

Das historische Rathaus Rheinbergs, das seit 1233 Stadtrechte hat, schiebt sich markant in den Straßenverlauf, um dem weitläufigen Markt ausreichen Raum zu geben.
Schöne und gut gepflegte Bürgerhäuser säumen den Marktplatz, darunter das Haus „Zum weissen Raben“. Eine Eigenart der Rheinberger Tradition, die stattlichen Bürgerhäuser mit poetischen, z.T. kontradiktorischen Namen aus der Fauna zu belegen.
Die St. Peter-Kirche hat mancherlei Schätze zu zeigen, so eine selten Zusammenfügung zweier spätmittelalterlicher Schnitzaltäre in einem neugotischen Gehäuse. Die stille und gesammelte Atmosphäre wird auch getragen von den modernen Kirchenfenstern, die z.T. Widerstand hervorriefen als die Sponsoren der „Daig-Familie“ Underberg (Magenbitter!!) sich auf einem „Drei-Königs-Bild“ verewigen liessen.
Im modernen Stadthaus begrüsst der Ortsbürgermeister, Heinz-Willi Coopmann, die Gruppe sehr freundlich und gibt eine kleine Einführung in die Kultur des Rheinberger Karnevals, der intensiv und ausgiebig gefeiert wird.

Nach einem Imbiss im Café Sahnehäubchen führt uns die Fahrt entlang der Fossa Eugeniana (Einem Kanal, mit dessen Hilfe die Spanier den reformierten Holländern im 16. Jahrhundert das Wasser und den Handel abgraben wollten!) und dem Kloster Kamp (1123 gegründetes Zisterzienser-Kloster mit schönem Terassengarten!) in den Wallfahrtort Kevelaer.
Hier treffen wir mit Gnadenkapelle, Basilika und Devotionalien-Läden auf eine ganz eigene Welt des barock-bäuerlichen Katholizismus. Kerzen, Priesterkleidung und Honigkuchen bilden eine besondere Melange!

Zurück im Hotel stärken sich alle beim feinen Nachtessen und im Angesicht der Fülle der Erlebnisse und Eindrücke wird die Niederlage des FC Basel (1-5 gegen real Madrid) auf ein rechtes Maß reduziert.
Mittwoch, 17. September 2014

Ein Tag zum Schauen, Geniessen und Staunen.

Am Vormittag führt uns ein kurzer Spaziergang zum Willibrordi-Dom!
Diese große, helle und lichte Kirche wurde von 1498 bis 1540 als spätgotische Basilika mit fünf Kirchenschiffen erbaut. Der 1478 errichtete Turm wurde aus dem dreischiffigen gotischen Vorgängerbau von 1424–1480 übernommen.
Der Willibrordi-Dom ist Wesels Stadtkirche, in der die Evangelische Gemeinde Gottesdienste feiert. An den Samstagen vor Ostern (Passionszeit) und Weihnachten (Adventszeit) und zu besonderen Anlässen finden ökumenische Gottesdienste statt. Den äußeren Rahmen bildet der Dom bei herausragenden Veranstaltungen, wie zum Beispiel bei der Gründung einer Städtepartnerschaft. Orgelkonzerte und Konzerte mit geistlicher Musik unter Beteiligung der kirchenmusikalischen Gruppen am Dom, der Domkantorei und dem Bläserchor werden regelmäßig im Rahmen der Weseler Domkonzerte veranstaltet. Darüber hinaus findet eine Vielzahl weiterer kultureller Veranstaltungen im Dom statt.
Sehenswürdigkeiten
Der Willibrordi-Dom gilt als herausragendes Beispiel der ausklingenden Gotik in Norddeutschland. Seine Sehenswürdigkeiten sind:
• die Heresbach-Kapelle, abgetrennt durch schmiedeeiserne Gitter. In ihr wurde Konrad Heresbach zusammen mit seiner Frau beerdigt. Ein Grabstein in der Wand erinnert daran.
• die untergehängten Ziergewölbe in dieser und einer weiteren Seitenkapelle, der Alyschläger-Kapelle. Sie gelten als Höhepunkte spätgotischer Steinmetzarbeit
• das große Westfenster in der Turmhalle aus dem Jahre 1968, von Vincent Pieper entworfen
• die Orgel aus dem Jahre 2000 mit 56 Registern, erbaut von der dänischen Orgelbaufirma Marcussen & Søn nach einem Entwurf des Bonner Architekten Ralph Schweitzer
• der „Weseler Altar“ (1996), ein modernes Kunstwerk vom Stuttgarter Ben Willikens
• das Standbild des Großen Kurfürsten von dem Berliner Bildhauer Karl Dorn am Kreuzschiffsgiebel über dem nördlichen Querhausportal
• als Pendant das Standbild des Kaisers Wilhelm I. von Bildhauer Friedrich Johannes Pfannschmidt über dem südlichen Querhausportal

Baugeschichte: In der Zeit von 781 bis 800 stand an dieser Stelle eine Fachwerkkirche. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahre mehrfach erneuert und vergrößert. In frühester Zeit unterstand der Dom dem Kloster Echternach, der Grabstätte des sog. „Friesenmissionars“ Willibrord.
Als Hansestadt und Hauptort des Herzogtums Kleve konnte die Stadt sich Ostern 1540 der Reformation anschließen. Sie wurde in der Folgezeit durch Einfluss der Glaubensflüchtlinge ein Zentrum reformierten Kirchentums. Diese Entwicklung spiegelt sich noch heute in der schlichten Gestaltung des Gottesdienstraumes wider. Bis 1612 standen hier noch über 30 Altäre.
Von 1883 bis 1896 wurde der Willibrordi-Dom, vor allem aus Mitteln der vom Kaiser genehmigten Lotterien, unter Leitung des Regierungsbaumeisters Paul Lehmgrübner dem Zeitgeist entsprechend neugotisch renoviert. Dabei wurde auch der bereits im Mittelalter geplante Chorumgang ausgeführt. Die circa 50 vorhandenen Grabsteine, die im Fußboden verlegt waren, wurden seinerzeit an den Wänden angebracht. Bis 1805 wurde der Kirchenraum auch als Begräbnisplatz der Stadt genutzt.

Durch alliierte Bombenangriffe und Granatbeschuss gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde mit der Stadt Wesel auch der Willibrordi-Dom erheblich beschädigt. Der Wiederaufbau ab 1948 durch den Willibrordi-Dombauverein Wesel, einer Bürgerinitiative, geschah im Auftrag der Evangelischen Kirchengemeinde in Anlehnung an die spätmittelalterliche Ausführung. Die neugotische Überarbeitung des 19. Jahrhunderts wurde mit Ausnahme des Chorumgangs weitgehend abgetragen. Mit Errichtung des Chorreiters 1994, von dem heute vier Mal täglich ein Glockenspiel erklingt, wurde der Wiederaufbau abgeschlossen.

Zeittafel
• 781–800 Holz-Fachwerkkirche (4,50 m × 10,0 m) mit westlicher Vorhalle
• 1000–1050 einschiffiger Bau aus Bruchsteinen (7,00 m × 15,00 m) mit Apsis
• 1150–1181 dreischiffiger romanischer Neubau mit quadratischem Chor und Apsis, Nebenchören und Westturm
• um 1250 Erweiterung des Chorraums nach Osten?• 1424–1480 Umbau und Ausbau zur dreischiffigen gotischen Basilika (zeitgleich mit dem Bau der Mathenakirche von 1429–1508)
• 1478 Fertigstellung des neuen und Abbruch des alten Turms der Vorgängerkirche
• 1498–1540 Ausbau zur fünfschiffigen spätgotischen Basilika, dem heutigen Kirchengebäude. Der Turm wird aus dem Vorgängerbau übernommen. Geplant, aber nicht ausgeführt zum Zeitpunkt der Reformation ist der im Fundament angelegte Chorumgang mit Kapellenkranz, die Wölbungen des Mittelschiffs, des Hohen Chors und der Querhäuser. Im Inneren ähnlich dem Xantener Dom: Hochaltar, an jeder Säule ein Altar, insgesamt 30 Stück, Gemälde und reiche Ausmalung.
• 1557 Fertigstellung des Lettners
• 1594 Zerstörung des Turms durch Blitzeinschlag, in der Folge auch der Gewölbe des südlichen äußeren Seitenschiffes und des Lettners
• 1598 Turm-Notdach mit offener Laterne
• Bis 1612 Verkauf von Altargeräten, Bildern und der Altäre selbst. Fortschreitender Verfall.
• 1874 Schließung des Doms wegen Baufälligkeit
• 1883–1896 Restaurierung, allerdings nicht historisch,
sondern neugotisch dem Zeitgeist entsprechend
• 1945 Schwere Beschädigung im Februar/März
durch Bomben- und Granateinschläge
• 1947 Gründung des „Willibrordi-Dombauverein Wesel e. V.“ und Beschluss: Der Wiederaufbau soll im Rückgriff auf die spätmittelalterliche Ausführung mit Ausnahme des geplanten und seinerzeit nicht ausgeführten
Chorumgangs erfolgen.
• 1952 Fertigstellung der Notkirche im Hohen Chor
• 1955–1957 Ausgrabungen in der Vierung und dem Chorraum
• 1959 Erneuerung des östlichen Teils einschließlich des Querhauses
• 1963 Fertigstellung des Langhauses, Aufbau der Nachkriegsorgel
• 1968 Fertigstellung der Turmhalle und der restlichen Seitenschiffe
• 1978 Aufbringung des neuen Turmhelms nach genau 500 Jahren
• 1984 Mit der Wölbung der beiden letzten südwestlichen Seitenkapellen kann der gesamte Kirchenraum wieder genutzt werden.
• 1991 Fertigstellung des Brautportals
• 1994 Aufbringen des Chorreiters mit Glockenspiel
• 2000 Neue Orgel mit 56 Registern

Nach dem Beusch im Dom werfen wir einen Blick auf die Rekonstruktion der spätgotischen Rathausfassade. Anschließend erhalten wir Einlaß in die Schatzkammer des Stadtischen Museums, um zwei Gemälde von Derick Baegert (Die Eidesleistung) und Jan Baegert (Die Heilige Sippe) näher anzuschauen.

Am Nachmittag folgt ein „Schiffpartie“ mit der „River Lady“! Der Zauber der niederrheinischen Landschaft zeigt sich eindruckvoll. Ob hier wohl das Paradies war?

Den Tag beschließt wiederum ein feines Nachtessen im Hotel.
Donnerstag, 18. September 2014

Heute führt uns die Reise nach Kalkar.
Das kleine Städtchen – im 13. Jahrhundert von Herzögen von Kleve gegründet – beherbergt in seinen Mauern eine einzigartige Kostbarkeit: Die St. Nikolai-Kirche mit ihren Schnitzaltären.
In der Zeit von 1460 bis 1540 ist hier ein Ensemble entstanden, das seines gleichen sucht, aber nicht findet. Sieben Spätgotische Altäre schmücken die Hallenkirche. Es waren ehedem 15, - acht Altäre wurden im 19. Jahrhundert verkauft, um die dringende Renovation des Kirchengebäudes zu bezahlen.

Eine Mittagsrast in Rees. Die berühmte Rheinpromenade der alten Stadt wird vom Strom umflossen und ist zugleich der Hochwasserschutz. Heute ist sie vom warmen Septembersonnenlicht überflutet.

Durch die ruhige, undramatische Landschaft führt uns der Weg – zum Schluß über kleine Wege – zum Otto-Pankok-Museum. Dieser eigenwillige Künstler hat hier sein Refugium. Sein Holzschnitt „Christus zerbricht die Waffen“, der eine Christusgestalt zeigt, die ein Gewehr übers Knie wie einen trockenen Ast bricht, ist wohl sein bekanntestes und wichtigstes Werk!


Den Abschluß bildet ein kurzer Besuch in der Marienthaler Dorfkirche und dem benachbarten Friedhof.
Freitag, 19. September 2014

Heute beginnt die Kongreß-Phase unserer Gemeindereise!
In aller Frühe und durch den niederrheinischen Morgennebem beginnt unsere kleine Reise in die alte Bischofsstadt Utrecht. Die 133 Kilometer sind rasch bewältigt.

Vor 125 Jahren haben sich die Kirchen, die sich der frühen katholischen Tradition verpflichtet wissen, in einer Union zusammengeschlossen. Den Keim, damit die kirchliche Protestbewegung zu einer Kirche werden konnte, lag in der altkatholischen Kirche in Utrecht. Daher kommt der Kirche von Utrecht auch eine Form von Ehrenvorrang zu. Schon der gebildete Generalvikar von Konstanz, Ignaz Heinrich von Wessenberg (1774-1864 verstand die altkatholische Kirche von Utrecht als ein tragfähiges Modell für eine Vielfalt in Einheit. Der Prälat zeigte sich von der Vitalität und der Widerstandskraft eines Katholizismus beeindruckt, der ohne päpstliche Aufsicht die traditionelle Glaubenskultur zur Blüte brachte: „ ... und auch das noch nie gesehene Beispiel, dass in der großen Kirche eine kleine zu Utrecht Bestand gewann, die sich, jener im Glauben und in Gebräuchen gleichförmig, trotz Roms Widerspruch fortpflanzet.“ Ihm schien das Prinzip der „ecclesiola in ecclesia“ durch die Utrechter Kirche in exemplarischer Weise realisiert.
Dieses Faktum einer „kleinen Kirchengemeinschaft in der Gesamtkirche“ scheint vielfach unbekannt zu sein, oder es wird aufgrund eines dominanten Quantitätskriteriums vernachlässigt. In Mitteleuropa pflegt die katholische, aber nicht römische Kirche von Utrecht seit Jahrhunderten ein spirituelles Leben, das sich in seriöser Weise den Vorgaben von Schrift und Tradition verpflichtet. Zugleich nahm sie die Herausforderungen der Moderne wie die Aufhebung der Zölibatspflicht, sowie der Zulassung von Frauen zum Amt oder die gesicherte Mitsprache von Laien in allen zentralen Fragen an. Die konstruktive Gestaltung führte u.a. dazu, dass sich Diakoninnen und Priesterinnen als großer Segen für die Seelsorge erwiesen haben. Gerade die synodale Struktur trägt dazu bei, die Kreativität und Frömmigkeit aller Glieder der Kirche zu Wort kommen zu lassen.

Nicht aufgrund von Differenzen in Glaubensfragen war es zur Trennung zwischen Rom und Utrecht gekommen, sondern allein wegen unterschiedlicher Auffassungen über Struktur und Sittlichkeit. Die Kritik an der Morallehre Roms, die vielfach als oberflächlich und heuchlerisch empfunden wurde, sollte zu Beginn des 18. Jahrhunderts unterbunden werden. Der damalige Bischof von Utrecht, Vertreter einer strengen Ethik, wurde durch vatikanisches Dekret abgesetzt. Das Prinzip des Absolutismus hatte auch die römische Denkungsart durchdrungen, die in der Folge die alten Rechte der Ortskirchen zu mißachten bereit war. Doch Kirchenvolk und Domkapitel von Utrecht wollten sich nicht dem Verdikt beugen und wählten 1723 einen neuen Bischof, durch dessen korrekte Weihe der Anschluss an die „kirchliche Abstammungslinie“, die sich bis auf die Apostel zurückführt, erfolgen konnte. Diese legitime Abstammung wurde und wird von Rom nicht bestritten. Dies hatte tiefgreifende Auswirkungen als sich nach dem 1. Vatikanischen Konzil in vielen Ländern Europas Widerstand gegen die absolute juristische Hoheit und die persönliche Unfehlbarkeit des Papstes formierte. Denn die Kirche von Utrecht bildete ab 1870 für viele sich entwurzelt fühlende Katholiken den Kristallisationskern einer neuen kirchlichen Heimat. Mit der Weihe von Bischöfen erfolgte der formale Brückenschlag zur katholischen Traditionslinie.

Die Kirchengemeinschaft von Utrecht oder Utrechter Union, die sich im Rückgriff auf die normativen Vorgaben der christlichen Frühzeit seit 1889 als „alt-katholisch“ (In der Schweiz hat sich in helvetischer Absetzungsfreude von den nördlichen Nachbarn der Begriff „christkatholisch“ etabliert!) verstand, konnte in diesem Widerstand ihre historische Prägung und Eigenständigkeit bewahren. Die altkatholische Kirchengemeinschaft entzieht sich einer mechanistischen Kirchenlogik, die in Kardinalsfragen erst auf weißen Rauch warten muss.

Würde die Potentialität einer „Vielfalt in Einheit“, wie sie I.H. von Wessenberg noch konstatierte, für die gegenwärtige römische Systematik erkenntnis- und handlungsleitend, könnte die unseliges Uniformitätstendenz, durch die im römisch-katholischen Kulturraum seit dem 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Liturgien und Spiritualitätsformen marginalisiert wurden, ihr theologisches Abschreckungspotential verlieren. Die „bunte Gnade“, die in der katholischen Tradition ehedem pluriforme Riten und Kulturen hervorgebracht hatte, wäre angesichts fortschreitender Individualisierung nicht zuletzt ein strategischer Vorteil, um der religiösen Forderung nach einer Evangelisierung näherzukommen. Es mag sein, daß die römische Kirche, die Vorteile der „regionalen Vermarktung“ und der lokalen Vernetzung, die sie ehedem so großartig zu nutzen wusste, erst wieder neu erlernen muss.

In der reformierten „Dom-Kerk“ in Utrecht beginnt der Tag mit einem Gebet und einem Impuls-Theater zum Thema „Steh’ auf und geh’!“ Hier deutet sich schon der Grundgedanke des Jubiläumskongresses an: Mut machen, um sich aufzurichten. Nicht verstecken und einem mutlosen Rückzug frönen. Sondern zuversichtlich aufbrechen und Schritte ins Unbekannte, ins Weite wagen! Die Gruppe des Amateur-Theaters bringt die Geschichte der Kandake, Königin von Äthiopien, und ihres Kämmerers, der sich schließlich von Philippus taufen läßt, in eindrücklicher Form und jugendstilartiger Orientierung ins Bild. Mit der Kraft des Symbolismus und dem Charme antikisierender Kostüme führt das Spiel zu einem mahnenden Weckruf mit stark moralisierenden Impetus. Dieser Impetus trägt durchaus die Kompetenz zu dissoziativer Wahrnehmung in sich.

In zahlreichen Workshops und beim Vortrag von John Chryssavgis wird dieses Anliegen vertieft und weitergeführt.

Der Kongreß erfreut sich so großer Beachtung, daß sich weitaus mehr Personen einfinden als die charmante Organisation verkraften mag. Da wir in Bezug auf das Buffet nicht die Hoffnung gewinnen können, in nützlicher Frist eine angemessene Sättigung zu erreichen, bitten wir den besten Chauffeur der Welt, uns nach Wesel zurückzubringen.

Müde kehren wir ins Hotel nach Wesel zurück. Ein reicher Strauss an Eindrücken und Begegnungen begleitet uns.
Samstag, 20. September 2014

Durch den heute schon etwas dickeren Morgennebel der niederrheinischen Tiefebene fahren wir erneut zum Altkatholiken-Kongress nach Utrecht. Pünktlich zum Morgengebet finden wir uns in der altehrwürdigen Sint-Jans-Kerk ein.

Nach der morgendlichen Liturgie beginnt die „College-Tour“ mit unserer Diakonin Karin Schaub. Diese „College-Tour“ ist eigentlich ein extrem beliebtes Format im holländischen Fernsehen, das in der Jans-Kerk originalgetreu nachempfunden wird. Die Idee ist, eine bekannte und bedeutende Person des öffentlichen Lebens in den vielfältigen Schattierungen des Lebens vorzustellen. Die Veranstalter haben Diakonin Karin Schaub eingeladen, da sie für eine vitale, temperamentvolle und aufmerksame Spiritualität bekannt ist. Zudem ist sie seid ihrer Taufe als Bébé Mitglied der christkatholischen Kirche. Sie steht mit ihrer geistlichen Biographie für eine innerliche und menschenfreundliche Frömmigkeit, die sich nicht in dogmatischer Rechthaberei oder liturgischer Selbstbezogenheit erschöpft. Sie steht für die biblische Gerechtigkeit, die will, daß jeder Mensch zu dem kommt, was der Kern und Sinn seines Lebens sei.
Karin Schaub kann lustvoll Widerstand leisten, wenn den Menschen nicht die Beachtung zukommt, die ihnen die biblische Tradition zuschreibt.
Die „College-Tour“ war ein gelungener Anlass, der die Facetten einer geistlichen Persönlichkeit in sympathischer Weise aufscheinen ließ.
Die Gruppe unserer Basler Kirchgemeinde applaudierte begeistert und war froh mit dieser Diakonin unterwegs zu sein.

Die Mittagszeit verbrachte die Gruppe bei verschiedenen Spaziergängen durch die reizvolle Altstadt mit seinen kleinen Geschäften, Restaurants und Cafés. Auch Grachtenfahrten standen auf dem Programm!
Neben der Jans-Kerk findet samstags ein grosser Blumenmarkt statt, bei dem sich viele auch mit den Knollen von wilden Iris, Kaiserkronen und schwarzen Tulpen versorgten!

Beim abschließenden Festgottesdienst kam die Gestaltungsfreude und die Fähigkeit der alten Utrechter Kirche, liturgische Pracht zu entfalten, zu einem erstaunlichen Ausdruck. Das gesamte Arsenal der utrechter Großliturgie war zu bewundern: Vor-, Haupt- und Nebenprozessionen, Ober- und Unterzeremoniar mit Stäben und himmelndem Blick, Ministranten mit und ohne Handschuhen, Velum für den Bischofsstab, gewaltigen Weihrauchwolken, Presbyter assistens im besticten Pluviale, sowie Diakonin und Bischof in Hochglanzparamenten! Ein wahre Wonne für den echten Liebhaber! Da schlicht anders ist, gibt es augenblicklich wohl in liturgischer Perspektive ein markantes Gefälle zwischen Utrecht und Rom.

Die Anwesenheit der resignierten Königin der Niederlande, Béatrix von Oranien, verlieh der Eucharistiefeier zusätzlich royalen Glanz. Ein Element, das der republikanischen Grundhaltung der Eidgenossen zumindest als unvertraut erscheinen mußte.

Als Abschiedsgeschenk der Organisatoren erhalten alle Tulpenzwiebeln, die an das Motto des Kongresses: „Steh’ auf und geh’!“ im kommenden Frühjahr erinnern werden.

Die Rückreise wurde ein wenig verzögert, da unser Car in eine Demonstration von Ravern geriet, die für Freiheit und Hundefutter kämpfen. Unbeschadet kamen wir davon.

Auf der Rückfahrt nach Wesel gerieten wir in den ersten Regenschauer dieser Woche, - dafür aber heftig mit Starkregen und Hagel. Dankbar für einen reichen Tag versammelte sich unsere Reisegruppe zu einem feinen Nachtessen.


Sonntag, 21. September 2014

Die Rückreise steht auf dem Programm!
Das heißt: Packen und Abschied nehmen!
Für eine Woche haben wir uns am Ufer des Niederrheins sehr wohl gefühlt.

Doch ein interessanter Reisetag steht uns noch bevor.

Vorbei an Düsseldorf und Köln, Frankfurt und Wiesbaden führt uns der Weg nach Worms.

Unterwegs halten wir zur gleichen Zeit wie in der Predigerkirche ein gemeinsames Gebet mit Liedern, Psalmen und Evangeliumstexten.

Der romanische Dom der Nibelungen- und Kaiserstadt eröffnet noch einmal eine Tür zur Geschichte. Aber welch’ andere Gestalt hat die christliche Frömmigkeit im 12. Jahrhundert angenommen. Dieses Gotteshaus spricht von imperialen Anspruch und entschiedener Verteidigung des Glaubens durch die ritterliche Hand des Kaisers! Bis zur innerlichen Spiritualität der Handwerker des 15. Jahrhunderts ist es noch eine rechte Wegstrecke.

An der Predigerkirche hat unsere Reise begonnen. Hier hat sie auch ihr Ende. Ein herzlicher Abschied beschließt eine lebendige Reisewoche.
Gemeindereise 2014
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Autor: Hanspeter Rast     Bereitgestellt: 22.09.2014     Besuche: 11 Monat
 
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