Schwalbennestorgel

Von den ersten beiden Orgeln der Predigerkirche zeugen Malereien an der südlichen Obergadenwand, die bei der Restaurierung 1974-78 freigelegt wurden. Es handelte sich zum einen um eine kleinere Schwalbennestorgel mit Blockwerkwindlade. Magister Michael, "organista" (gest. 1442), dessen Grabstein in der Predigerkirche steht, wird auf ihr gespielt haben. Knapp 50 Jahre nach seinem Tod erhielt der Orgelbauer Johannes Tugy, Sohn des Meisterbüchsenmachers Cinrat Tugy aus Basel, den Auftrag, ein neues Werk "ganz und gar mit Laden, anderm Gehuss, Pfiffen, Styme und Registern"zu bauen. Daraus entstand in der Zeit von ca. 1487-93 das Vorbild der jetzigen Basler Schwalbennestorgel. Tugy war in seiner Zeit einer der gesuchtesten Orgelbauer. Er baute um 1480-1520 u.a. Orgeln im Mainzer Dom, in Colmar, in Zürich (Grossmünster und Fraumünster), im Berner Münster und in Biel; in Basel baute er ausser in der Predigerkirche auch in der Peterskirche und - sein evt. letztes Werk - im Münster.

In der engen Zusammenarbeit der christkatholischen Kirche Basel-Stadt mit der Basler Denkmalpflege entstand der Wunsch, dem Gotteshaus der Dominikaner mit einer Rekonstruktion ein wesentliches Raum- und Klangelement zurückzugeben. Auf der Grundlage der Wandmalereien (Orgelumrisse), eines neuaufgefundenen Mauerdurchgangs, der für den Windkanal angelegt wurde, eines Mauerankers, sowie des Originalvertrags mit Tugy wurde die Rekonstruktion begonnen. Unter Zuhilfenahme von weiteren "orgelarchäologischen" (Edskes) Untersuchungen konzipierte Bernhardt H. Edskes eine neue Schwalbennestorgel. Im Orgelbauer Sebastian Blank wurde ein Partner gefunden, der schon ein ähnliches Projekt ausgeführt hatte.
Trotz der bescheidenen originalen Spuren war die die Größe der Orgel ziemlich klar bestimmt: Ein Werk mit Mittelturm und zwei Seitentürmen auf 8´-Basis. Das Orgelgehäuse wurde unter Verwendung des alten Fussmasses sowie gotisch-geometrischer Proportionen ganz aus Tannenholz rekonstruiert; das Windladensystem wurde mit Oberschleifen ausgeführt, der wahrscheinlich ältesten Schleifwindladenkonstruktion; die Pfeifen wurden mit einer sehr hohen Bleilegierung fabriziert. Die Disposition wurde in Anlehnung an den Originalvertrag Tugys für die Stadtkirche Biel (1517) konzipiert. Dabei wurde ein Brustpositiv hinzugefügt.

Am 1. Dezember 1985 erfuhr die Schwalbennestorgel ihre feierliche Einweihung.

J.-A. Bötticher (nach Materialien von Bernhardt Edskes)

Disposition der Schwalbennestorgel

Dispositionen der Orgeln in der Predigerkirche

Schwalbennestorgel
MANUAL F-g2, a2
Praestant 8´
Gedackt 8´
Octave 4´
Quinte 22/3´
Superoctave 2´
Hörnli 2fach 11/3´ und 4/5´
ab c1 22/3´+ 13/5´
Mixtur 4-6fach 11/3´
Cimbel 2fach 1/2´

BRUSTPOSITIV F-g2, a2
Regal 8´
Flöte 4´
Gemshorn 2´

PEDAL Contra G bis c1
F-c1 an Manual angehängt
In der Tiefe mit eigenen Pfeifen

Tremulant
Vogelsang
Cimbelstern
Sperrventil für Manual und Pedal, Sperrventil für Brustpositiv
Mitteltönige Stimmung mit 8 reinen Terzen, Wolfsquinte gis-es
Tonhöhe a=440 hz
Klassische Windversorgung mit drei Keilbälgen
Planung und Intonation: Bernhardt Edskes, Wohlen (Aargau)
Orgelbau: Sebastian Blank, Herwijnen (NL) 1985
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Orgeln

Autor: Hanspeter Rast     Bereitgestellt: 03.03.2014     Besuche: 32 Monat
 
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