Formonterhof

Seinen Namen trägt der Formonterhof nach dem französischen Adeligen Graf Jean Formont de La Tour, dessen Witwe das bestehende Anwesen 1720 vom Handelsherrn Philipp Heinrich Fürstenberger erwarb und auf der Fundation zweier heute unbekannter gotischer Vorgängerbauten ein neues Haus erstellen liess. „Sie liess“ so berichtet der Chronist Johann Heinrich Scherrer genannt Philibert – „ein Haus neben der Mägd in St. Johann aufbauen, so kostbar als noch wenig Gebäuw in Basel aufgebauen sind worden, sehr hoch und von ungemein zierlichem Prospect.“ Und bewundernd fügt er bei: „Diese fromme Frau solle alle Stund ein Pfund Einkommen haben von ihrem sehr grossen Guth.“

Schon 1727 starb aber die fromme Witwe, und das Haus wurde samt Hof und Garten an Jean Magnet von Neuenburg vererbt, der ihn 1732 an den Strumpffabrikanten Johann Heinrich Zaeslin vermietete und fünf Jahre später auch verkaufte.

Das erste Haus mit Wasserhahn
Mit Bewilligung der Obrigkeit und gegen Entrichtung eines ansehnlichen
Wassergeldes von 2000 Pfund liess Grossrat Johann Heinrich Zaeslin 1747 Wasser von einem Brunnen am Nadelberg in sein Haus leiten, das damals noch „zum neuen Haus“ hiess und weitherum das erste Haus mit fliessendem Wasser wurde.
Inzwischen war der Formonterhof in den Besitz des Kaufherrn Samuel de Samuel Merian gelangt, der ihn 1773 seinerseits für 40‘000 Livres an Johann Georg Streckeisen abtrat. Der Kaufer war als Kaufmann in Bordeaux zu hohem Ansehen und Vermögen gelangt; dort hatte er sich das ausschliessliche Privileg sichern können, Zucker nach Preussen zu liefern, und ebenso wurde er durch die Ernennung zum preussischen Konsul in der bedeutenden franösischen Hafenstadt ausgezeichnet. Seine Töchter Ernestine-Elisabeth und Marguerite-Louise wurden von den Partnern des Berliner Bankhauses Schickler, dem aus Basel stammenden Johann Ernst Schickler und dessen Schwager David Berends, zum Altar geführt.
Streckeisen scheint den Formonterhof nur vorübergehend bewohnt zu haben; jedenfalls wurde er während der Helvetik durch die Verwaltungskammer für die Generaldirektion der französischen Feldpost requiriert. „Der abwesende Bürger Streckeisen» erhielt die Zusicherung, man werde das Geba?ude später «auf gemeine Staatskosten“ reparieren, säubern und neu möblieren lassen.

Johann Georg Schickler, seines Zeichens Generalkonsul Preussens in Paris, fand nach dem Hinschied seines Grossvaters 1825 endlich einen Interessenten für den Formonterhof in Nicolas Burckhardt-van Robais, der als Aidemajor in französischen Diensten gestanden hatte. Sein Sohn Nicolas Isaac Burckhardt-Zaeslin beauftragte 1832 den Architekten Melchior Berri, den Barockbau aus den 1720-er Jahren im Sinn des Klassizismus umzubauen.

Der Umbau durch Berri 1832
Berri liess die beiden barocken Ecklisenen mit den horizontalen Dreieck-Fasenfugen stehen, stockte das Haus aber um 1,5 Quader (ca. 40 cm) auf und veränderte damit die Fassadenproportion erheblich. Der fünfachsigen Fassade setzte er einen drei Achsen breiten Mittelgiebel mit Blechdach auf.
Zentrisch im Erdgeschoss entstand das Rundbogen-Eingangsportal mit zwei seitlichen eichenen, mit Treibriegeln fixierten Flügeln und dem eichenen mittleren Eingangs-Türflügel. Darüber kam ein Kämpfer mit festem Oberlicht mit prächtigem Gusseisen-Gitter, rot gefasst mit reichen Vergoldungen. Rechts und links wird das Portal flankiert von je zwei Fenstern in einem Rustiko-Sockel mit dreieckigen „Quaderfugen“, welche die Teilung der Eckquader übernehmen. Über einem durchlaufenden Gesimse, das in der Mitte zu einem Balkon verbreitert ist, folgen zwei Stockwerke mit vier kannelierten Kolossalpilastern, die die Fassade gliedern.
Die ursprüngliche barocke Struktur des Baus ist im Dach, an den Gartenfassaden und in den beiden Ecklisenen der Strassenfassade noch erhalten.

Berri wirkte auch im Innern
Melchior Berri wirkte bei seinem Umbau von 1832 auch im Innern des Gebäudes und teilte die Raumfolge mit reicher Stukkatur neu ein. Für die vertikale Erschliessung baute er eine kühne, in symmetrischem Schwung einen Halbkreis bildende Eichenholztreppe ein. Hofseitig liess er die barocken Fassaden bestehen. Im heutigen „Bischof Herzog-Saal“ im Erdgeschoss verdient die Stukkdecke Beachtung. Sie wurde von eigens aus Paris bestellten Stukkateuren geschaffen und zeigt in einem dekorativen Rahmen Europa auf dem Stier und Merkur auf dem Pegasus reitend.
Noch während der Berrischen Umbauzeit ging das Haus an Eduard Merian-Koechlin über, der es weiterhin luxuriös ausbauen liess. Bemerkenswert ist vor allem der Saal im 2. Stock, wo sich die Freude an der neu ausgegrabenen Römerstadt Pompeji besonders auswirkte: Die
Decke erhielt eine in pompejanischen Farben gehaltene dekorative Malerei. Sie wurde vom Maler Spahn nach Zeichnungen von Melchior Berri geschaffen und war so etwas wie der „dernier cri“ jener Zeit.

„Hier spukt es“
Der Besitzer erfreute sich indes nicht lange seiner schönen Malerei. Bereits 1859 verkaufte er die Liegenschaft an den Bandfabrikanten Daniel Meyer-Merian. Der bewohnte das Haus bis gegen das Ende des 19. Jahrhunderts. Den Quellen zufolge hatte er allerdings eine Zeitlang Mühe, das notwendige Dienstpersonal zu finden. Es ging nämlich das Gerücht um, dass es im Formonterhof spuke. Wie der bekannte Stadthistoriker Gustaf Adolf Wanner einst dazu ausführte, „hatte dort ein Gärtner, dem die Bewachung des zeitweise unbewohnten Hauses übertragen war, die Rolle eines Gespenstes übernommen, in der Hoffnung, so ruhig auf seinem angenehmen Posten verbleiben zu können.“

Nachfolger Meyers wurde der Wagenfabrikant Charles Heimburger-Volz, der auch die angrenzenden Liegenschaften an der Spitalstrasse besass. 1920 gab seine Witwe den Formonterhof weiter an eine Firma, die sich mit dem Verkauf von Kältemaschinen befasste, und von ihr ging das Gebäude in den Krisenjahren an eine Immobiliengesellschaft.

Für diese Firma arbeitete der Basler Architekt Hans Walt ein Umbauprojekt für die Umgestaltung in ein Mehrfamilienhaus mit einem 30 m langen und 8,25 m breiten hinteren Neubau aus. Er hätte an Stelle des Dienstbotentrakts entlang der Scheidemauer gegen das Gesellschaftshaus „zur Mägd“ errichtet werden sollen. Für dieses Projekt wurde am 14. Mai 1935 die Baubewilligung erteilt, realisiert wurde es jedoch nie.

Seit 1942 Gemeindehaus
Seit dem 1. Oktober 1942 befindet sich der Formonterhof im Besitz der Christkatholischen Kirche Basel-Stadt. Die Kirchgemeinde erwarb das Haus damals zum Preis von 210‘000 Franken von Formo AG, um darin ihr Kirchgemeindehaus mit Pfarr- und Sigristenwohnung einzurichten.

Der Kauf des Formonterhofs durch die Christkatholische Gemeinde wurde damals weitherum begrüsst, waren doch wenige Jahre zuvor noch Diskussionen im Gang, das Gebäude abzureissen. Inzwischen ist die Christkatholische Gemeinde länger im Besitz des Formonterhofs als jeder vorangegangene Besitzer seit 1720.

Text: Ruedi Messerli
Autor: Hanspeter Rast     Bereitgestellt: 05.02.2014     Besuche: 60 Monat
 
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