Ostern geht weiter

Der barmherzige Samariter (Foto: zVg)

Christus lebt. Er ist nicht im Tod geblieben. Sein Leben ist – trotz Kreuz und Leid – in Gott geborgen. Welche Gestalt soll aber nun das Leben der Menschen, die Jesus Christus nachfolgen, annehmen? Oder einfach: Wie geht es weiter nach Ostern?
Michael Bangert









Ostern geht weiter
 
Christus lebt. Er ist nicht im Tod geblieben. Sein Leben ist – trotz Kreuz und Leid – in Gott
 
geborgen. Welche Gestalt soll aber nun das Leben der Menschen, die Jesus Christus
 
nachfolgen, annehmen?
 
Oder einfach: Wie geht es weiter nach Ostern?
 
Ein altes, griechisches Evangelienbuch gibt Antwort. Dieses – wegen seiner edlen Färbung
 
«Purpur-Codex» genannte Werk aus dem 6. Jahrhundert – wird in der Stadt Rossano in
 
Kalabrien aufbewahrt.
 
Eine Buchseite zeigt eine Szene aus dem Gleichnis vom «Barmherzigen Samariter»
 
(Lk 10,25-37).
 
Erstaunlich: Der Samariter ist Christus.
 
Das Kreuz im Heiligenscheint ist eindeutig. Christus streckt sich dem Elenden entgegen.
 
Diese Bildidee lädt ein, in dem armen Menschen sich selbst zu sehen.
 
Wir sind des Heils an Leib und Seele bedürftig, und Christus beugt sich zu unserem Elend
 
hinab, um zu heilen. Das ist das österliche Leben in uns!
 
Eine zweite Perspektive: Wenn Christus der barmherzige Samariter ist, dann folgen wir
 
dem Auferstandenen nach, wenn wir das menschliche Elend berühren.
 
Wenn wir uns niederbeugen aus Liebe.
 
Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird durch die Auferstehung Christi zu einem
 
Lebensmodell. Nicht fern vom Elend leben die, die an Christus glauben. Nicht vornehme
 
Zurückhaltung ist die christliche Lebensform. Das österliche Leben kann gar nicht anders,
 
als sich an Christus zu orientieren. Das österliche Leben macht sich die Hände schmutzig,
 
um die Unglücklichen aufzurichten. Das ist die Fortschreibung von Ostern.
 
Das Bild hält zudem etwas Tröstliches parat: Es gibt einen Engel. Ganz in weiss gekleidet,
 
hält er eine goldene Schale. Es ist wohl das Öl zur Wundversorgung darin.
 
Auch der Engel beugt sich über den Verletzten, so dass dieser ganz behütet ist.
 
Selbst Christus bedarf der himmlischen Kräfte der Engel,
 
um das Heil gegenwärtig zu machen.
 
Wie viel mehr dann wir!
 
Sie sind uns zugesagt.
 
Wer sich dem Kummer und der Verletzlichkeit der Menschen zuneigt,
 
erfährt himmlische Hilfe. So geht Ostern weiter.
 
 
Bild: Christus als barmherziger Samariter, Codex purpureus Rossanensis. Im 6 .Jahrhundert 
in Syrien entstanden. Heute im Erzbischöflichen Museum in Rossano, Kalabrien.
Publiziert von Franz Osswald am 17.04.2026   Besuche: 31 Monat